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Trainingsvideo »Haltungswechsel: von der Lehrkraft zum Coach«

Trainingsvideo mit der stellv. Schulleiterin Marén Heinzelmann

Das nehmen Sie aus dem Video mit

  • Lehrkraft: Vertrauen, Arbeit auf Augenhöhe, eine zugewandte Haltung sowie die Reflexion des eigenen Handelns sind Grundlage für eine coachende Haltung. 
  • Unterricht: Unterricht wird stärker als Lern- und Erfahrungsraum verstanden: selbstständiges Arbeiten und Projektlernen ergänzen klassische Lernsettings. 
  • Lernende: Eine unterstützende Lernbegleitung kann Selbstwirksamkeitserfahrungen, Motivation und Selbststeuerung der Schülerinnen und Schüler fördern.

Machen Sie sich bewusst

  • Coaching ist keine Abkehr von der Lehrer:innen-Rolle, sondern eine Erweiterung des eigenen Handlungsrepertoires.

Coaching im Unterricht: von der Lehrkraft zum Coach

Eine coachende Haltung erweitert die Rolle der Lehrkraft: Neben Wissensvermittlung und Leistungsbewertung rückt die individuelle Lernbegleitung stärker in den Fokus. Lehrkräfte hören zu, stellen gezielte Fragen, klären Erwartungen, machen Ressourcen sichtbar und unterstützen Lernende dabei, eigene Lösungs- und Lernwege zu entwickeln. Coaching im Unterricht bedeutet dabei nicht, Lernende sich selbst zu überlassen. Es geht darum, so viel Orientierung wie nötig und so viel Eigenständigkeit wie möglich zu ermöglichen.

Portraitfoto Marén Heinzelmann

Marén Heinzelmann

Portraitfoto Marén Heinzelmann
© Hendrik Rapp

Marén Heinzelmann

Marén Heinzelmann (1983) ist seit 2022 stellvertretende Schulleiterin an der Annette von Rantzau Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein. Zuvor absolvierte sie ihr Referendariat in Berlin und sammelte dort einschlägige Berufserfahrung. Studiert hat sie Biologie und Philosophie an der Universität Leipzig sowie an der Rice University in Houston. Seit 2012 engagiert sich Marén Heinzelmann ehrenamtlich für Bildung & Begabung – unter anderem als Akademieleiterin und Referentin in der Lehrkräftefortbildung. Seit 2021 ist sie in den Beirat der Akademien berufen. Ihr besonderes Interesse gilt der Frage, wie Schule unterschiedliche Lernende erreichen, Potenziale fördern und herausfordernde Situationen meistern kann.

Warum Coaching im Unterricht?


Lehrkräfte bewegen sich im Unterricht täglich zwischen unterschiedlichen Anforderungen: Wie viel Anleitung brauchen Lernende? Wo ist Struktur notwendig? Und wann hilft es, Verantwortung abzugeben und Freiräume zu eröffnen?

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, übernehmen Lehrkräfte viele Rollen: Sie vermitteln Wissen, geben Orientierung, beurteilen Leistungen, lösen Konflikte und fördern individuelle Begabungen. Eine coachende Haltung will diese Rollen nicht ersetzen, sie aber um eine zentrale Perspektive ergänzen: Wie können Lehrkräfte Lernende dabei unterstützen, zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen?

Ein coachender Ansatz unterstützt daher Schülerinnen und Schüler, ihre Stärken und Interessen wahrzunehmen und ihre Lernprozesse nach und nach selbstständiger zu steuern. Die Jugendlichen lernen, sich eigene Lernziele zu setzen, ihre Lernwege zu planen und den eigenen Fortschritt zu verfolgen. Das geschieht nicht von heute auf morgen. Selbststeuerung muss erprobt werden – und braucht gerade am Anfang Unterstützung.

Projektorientiertes Lernen bietet hierfür besondere Möglichkeiten. Zum einen können Lernende Wissen konkret anwenden. Zum anderen entsteht nachhaltiges Lernen auch durch eigene Erfahrungen. Wenn die Schüler:innen dabei erleben, dass ihre eigenen Strategien und ihr Einsatz zu Fortschritten beitragen, stärkt dies ihre Selbstwirksamkeit.

Was verändert eine coachende Haltung im Unterricht?


Wenn Lehrkräfte sich als Coachende verstehen, rückt neben dem Ergebnis stärker der Lernprozess in den Vordergrund: Was ist bereits gelungen, und was ist noch herausfordernd? Welche Strategien könnten helfen, und wo wird Unterstützung benötigt?

Eine Coaching-Haltung bedeutet daher nicht das Weglassen von Struktur, sondern eine gezielte und individuelle Lernbegleitung. Sie setzt auf klare Ziele, offene Fragen, respektvolles Feedback und passgenaue Unterstützungsangebote. Missverständnisse, Fehler und Rückschläge werden dabei nicht als falsche Abweichungen vom gewünschten Ergebnis betrachtet. Sie liefern wichtige Informationen darüber, was Lernende bereits verstanden haben und wo weitere Unterstützung sinnvoll ist.

Je stärker Lernende Strategien zur Selbststeuerung entwickeln und entsprechende Routinen aufbauen, desto mehr Verantwortung können sie schrittweise selbst übernehmen. So kann Verantwortung im Lernprozess zunehmend zwischen Lehrkraft und Lernenden geteilt werden.

Vier Prinzipien für Coaching im Unterricht


Eine coachende Haltung folgt nicht dem Prinzip »weniger unterrichten«, sondern fragt danach, welche Form der Unterstützung in einer bestimmten Situation weiterhilft. Die Lehrkraft als Coach gibt also nicht Verantwortung vollständig ab, sondern unterstützt Lernende dabei, zunehmend selbstständig handeln zu können.

Vier Prinzipien können dabei Orientierung geben:

  • Selbststeuerung braucht Unterstützung. Lernende können zunehmend Verantwortung für ihre Lernprozesse übernehmen, wenn ihnen entsprechende Strategien vermittelt werden und sie Gelegenheit bekommen, diese zu erproben.
  • Fragen regen zum Weiterdenken an. Gute Fragen helfen Lernenden, eigene Gedanken und Lösungswege zu entwickeln. 
  • Feedback zeigt nächste Schritte auf. Konkrete Rückmeldungen helfen Lernenden zu erkennen, wo sie stehen, was bereits gelingt und woran sie weiterarbeiten können.
  • Lernräume ermöglichen Erprobung. Sie bieten Raum für Neugier, unterschiedliche Lösungswege und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. 

Partizipation und Transparenz im Lernprozess


Coaching wird besonders wirksam, wenn Lernende ihren Lernprozess nachvollziehen und mitgestalten können. Dabei helfen klare Lernziele, transparente Erfolgskriterien und regelmäßige Reflexionsphasen. 

Tabelle mit den Spalten Phase, Fragen, Beispiel
© Bildung & Begabung

Tipp


Erarbeiten Sie die Erfolgskriterien vorab gemeinsam mit der Klasse.

Beteiligen Sie die Lernenden auch daran, wie sie unterstützt werden möchten und welche Formen der Rückmeldung für sie besonders hilfreich sind. Reflexionsfragen, kurze Check-ins oder Lernjournale können diesen Prozess begleiten. So wird individuelle Lernbegleitung für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar und unterstützt sie dabei, ihren Lernprozess zunehmend selbst zu steuern.

Impulse für die Praxis

Coaching bedeutet, Unterstützung so zu gestalten, dass Lernende zunehmend eigene Lösungswege entwickeln können. Wie lässt sich eine coachende Haltung konkret im Unterricht umsetzen? Probieren Sie beispielsweise aus:

  • Stellen Sie zunächst Fragen, bevor Sie die Lösung anbieten.
  • Gestalten Sie Lernpfade variabel, damit unterschiedliche Zugänge möglich sind.
  • Geben Sie den Schüler:innen regelmäßig kurze, konkrete Rückmeldungen.
  • Lassen Sie die Lernenden ihre nächsten Schritte selbst formulieren.
  • Legen Sie transparente Kriterien für Lernziele und Erfolg fest.
  • Planen Sie feste Zeiten für die Reflexion ein.

Ihre Reflexionsaufgabe


Überlegen Sie: Wann haben Sie selbst zuletzt eine Unterrichts-Situation erlebt, in der eine Coaching-Haltung den Prozess hätte unterstützen können – oder hat? Vielleicht erinnern Sie sich an eine konkrete Situation, in der Sie einen Lernprozess durch eine Frage, eine Spiegelung oder einen gezielten Impuls begleitet haben. Wie sind Sie vorgegangen? 

  • Sie können sich zum Beispiel diese Fragen stellen: 
  • Was war das Ziel der Situation?
  • Wie habe ich reagiert?
  • Habe ich erklärt, gefragt oder einen Impuls gegeben?
  • Wie viel Orientierung brauchten die Lernenden?
  • Wo hätte ich mehr Verantwortung übergeben können?
  • Was würde ich beim nächsten Mal genauso oder anders machen?

Praxistipp: Kollegiale Reflexion


Ob in einer kollegialen Fallberatung, im Jahrgangsteam oder im Austausch über Unterricht und Projektarbeit: Nutzen Sie die Perspektiven Ihrer Kolleginnen und Kollegen. Der gemeinsame Blick auf konkrete Situationen kann helfen, eigene Annahmen, Bewertungen und Handlungsmuster sichtbar zu machen. Besonders in multiprofessionellen Teams kommen dann unterschiedliche fachliche Perspektiven und Ressourcen zusammen. Das kann den Blick auf eine Situation verändern und neue Möglichkeiten für die Begleitung von Lernprozessen eröffnen.

Zum Weiterlesen

Buch: Holle, Judith; Zierer, Teresa; Adam, Björn: UnLearn School – Auf dem Weg zum Lernen der Zukunft. beWirken gGmbH, 2023.

Grafik zur Veranschaulichung des Bereiches Literatur unseres Hybriden Lernraums. Ein Pfeil zeigt auf drei Buecher, die neben einem Werkzeugkasten stehen.

Weitere Angebote im Hybriden Lernraum zum Thema Haltungswechsel

Hybrider Lernraum

Die Trainingsvideos sind Teil des Hybriden Lernraums. Hier finden Sie für Ihre Arbeit in Schule oder an außerschulischen Lernorten Informationen und Praxistipps aus Wissenschaft und Praxis – als Texte, Methoden, Podcasts, Videos oder Workshops.

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