Game-Based learning
Spielen und Lernen schließen sich nicht aus – im Gegenteil:
Digitale Lernspiele können Wissen erfahrbar machen, Motivation wecken und Kompetenzen stärken. Game-Based Learning, also spielbasiertes Lernen, nutzt das Potenzial des Spiels gezielt für Bildungsprozesse – mit messbaren Erfolgen und spannenden Chancen für die Unterrichtspraxis.
Die wichtigsten Fakten zum Einsatz digitaler Spiele im MINT-Bereich hat das Projekt MesH_MINT gesammelt.
Ein Gastbeitrag von MesH_MINT
MesH_MINT
Zur Stärkung der MINT-Bildung in Deutschland hat sich das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Projekt MesH_MINT zur Aufgabe gemacht, den Transfer aus der MINT-Bildungsforschung in die Praxis zu verbessern. Das Projekt MesH_MINT wird von einem Verbund aus drei Partnern umgesetzt: der Universität Regensburg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Stifterverband. Das unmittelbare Projektziel von MesH_MINT ist es, forschungsbasiertes Wissen zu sammeln, aufzubereiten und so in eine Form zu übertragen, dass in der Praxis von Nutzen für MINT-Akteur:innen wie MINT-Lehrkräften ist.
Gamification und Game-Based Learning: Was ist gemeint?
In der Forschung wird zwischen Gamification und Game-Based Learning unterschieden. Gamification bedeutet, dass Sie einzelne spieltypische Elemente – etwa Badges, Punkte oder Ranglisten – in Ihren Unterricht integrieren. Game-Based Learning geht einen Schritt weiter: Sie setzen (meist digitale) Spiele gezielt ein, um konkrete Lern- und Kompetenzziele zu erreichen.
Fakten über Game-Based Learning
MesH_MINT hat in internationalen Veröffentlichungen der Bildungsforschung recherchiert und Fakten zum Thema Game-Based Learning in MINT-Fächern zusammengestellt:
1 | Game-Based Learning funktioniert in jedem Alter
Digitale Lernspiele können in allen Jahrgangsstufen Lernzuwächse fördern. Besonders deutlich fällt der Effekt in der Grundschule aus, aber auch in der Sekundarstufe zeigen sich positive Wirkungen.
Für Ihre Praxis:
Wählen Sie Spielsettings altersgerecht (z. B. kürzere Spielphasen in der Primarstufe, komplexere Szenarien ab Sek I).
2 | Game-Based Learning eignet sich für alle MINT-Fächer
Neuere Analysen zeigen positive Effekte in allen MINT-Fächern. Fortschritte im Spieldesign – etwa realistische Simulationen und interaktive Szenarien – unterstützen insbesondere das Lernen von Zusammenhängen und das Anwenden von Wissen.
Für Ihre Praxis:
Setzen Sie Spiele besonders dann ein, wenn Modellieren, Simulieren, Experimentieren oder Problemlösen im Mittelpunkt stehen.
3 | Spielerisch erarbeitetes Wissen bleibt länger abrufbar
Im Vergleich zu traditionellen Unterrichtsformaten erreichen Lernende mit Lernspielen häufig eine höhere Behaltensleistung. Inhalte, die Lernende im Spiel aktiv erarbeiten, werden leichter erinnert.
Für Ihre Praxis:
Lassen Sie Lernende nach dem Spielen zentrale Erkenntnisse sichern (z. B. Lernjournal, Kurz-Quiz, Tafelbild, »Drei Dinge, die ich gelernt habe«).
4 | Ein einmaliger Spieleinsatz reicht meist nicht aus
Wenn ein Spiel nur einmal verwendet wird, unterscheidet sich der Lernerfolg oft kaum von klassischem Unterricht. Deutlichere Effekte zeigen sich erst, wenn Lernende wiederholt spielen und dabei Fortschritte machen.
Für Ihre Praxis:
Planen Sie Lernspiele regelmäßig ein (z. B. als wiederkehrende Übungs- oder Vertiefungsphase), damit Routinen entstehen und Lernzuwächse sichtbar werden.
5 | Am stärksten wirkt Game-Based Learning in Kombination mit Unterricht
Die besten Effekte entstehen, wenn Sie Lernspiele mit klassischen Unterrichtselementen verbinden: Einführen, Spielen, Austauschen, Erklären, Üben. Besonders wirksam ist die Kombination aus Spielphase, Reflexion und gezieltem Lehrkraft-Input.
Für Ihre Praxis:
Strukturieren Sie den Ablauf z. B. nach dem Muster: Vorwissen aktivieren → Spielauftrag → Spielphase → Auswertung/Transfer → Sicherung.
6 | Worauf Sie bei wirksamen Lernspielen achten sollten
Wirksame (digitale) Lernspiele zeichnen sich aus durch:
- interaktive Elemente, die Problemlösen erfordern
- klare Ziele und Regeln
- anpassbare Schwierigkeitsgrade (Differenzierung)
- Kontrolle durch die Lernenden
- kontinuierliches Feedback
- Spannung durch Ungewissheit (z. B. Entscheidungen, Konsequenzen)
Für Ihre Praxis:
Wählen Sie Spiele mit klaren Zielen und transparenten Regeln, damit Lernende schnell handlungsfähig sind und Erfolgserlebnisse sammeln können.
7 | Computer oder Smartphone: Die Plattform ist nicht entscheidend
Ob Lernende am Computer oder am Smartphone spielen, macht für den Lernerfolg in der Regel keinen Unterschied. Entscheidend sind vielmehr Spielqualität, Lernziele und die didaktische Einbettung.
Für Ihre Praxis:
Nutzen Sie die Plattform, die in Ihrer Schule am praktikabelsten ist. Viele interaktive MINT-Lernspiele sind online verfügbar – häufig sogar kostenlos.
Beispiele finden Sie u.a. hier:
- Bildungsportal Niedersachsen: Digitale Spielewelten: Zur Webseite (u.a. mit Verlinkungen auf fachübergreifende und fachspezifische Praxisbeispiele)
- Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Beispiele für Games in der Bildung: Zur Webseite (mit Verlinkungen auf für den Unterricht geeignete Spiele inklusive Anleitung zur Integration in den Unterricht)
Zum Weiterlesen
Gebauer, Christian: Game-Based-Learning in der Schule. Eine interaktive Grundlagendidaktik Digitaler Spiele. Vandenhoeck & Ruprecht, 2025.
MesH_MINT: 10 Fakten zu Game-Based-Learning: Zur Webseite
Mint Campus: Coding in Minetest: Kindern und Jugendlichen spielerisch Programmieren beibringen: Zum Lernangebot für Lehrkräfte (Video)
Stiftung Digitale Spielekultur: Bildung neu gestalten mit Games. Zur Broschüre
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