Schlüsselkompetenz Kreatives Denken
Um für Leben und Arbeit im 21. Jahrhundert gewappnet zu sein, brauchen Kinder und Jugendliche neben Fachwissen auch überfachliche Kompetenzen. Kreativität spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie eröffnet neue Perspektiven und hilft, innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. In der Schule kommt kreatives Denken und Problemlösen jedoch oft zu kurz. Die Deutsche Telekom Stiftung stärkt deshalb das kreative Potenzial junger Menschen – im Unterricht und in außerschulischen Lernsettings. Gemeinsam mit Expert:innen aus der Bildung sowie dem Spieleentwickler Till Hasbach (Playful Business) erprobt die Stiftung passende Konzepte und Materialien. Projektleiterin Sandra Heidemann stellt einige davon vor.
Ein Gastbeitrag von Sandra Heidemann
Die Deutsche Telekom Stiftung
Bildungschancen, Lehrkräftemangel und immer mehr Schülerinnen und Schüler, die Mindestkompetenzen in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften nicht erreichen. Die Deutsche Telekom Stiftung möchte mit ihrer Arbeit dazu beitragen, diese Probleme zu lösen und Bildung in Deutschland für alle Kinder und Jugendlichen zu verbessern.
Mehr zur Deutschen Telekom Stiftung
Die Vision der Deutsche Telekom Stiftung: Alle jungen Menschen sollen ihre Potenziale entfalten können – unabhängig von ihren Voraussetzungen. Mit Programmen und Projekten will die Stiftung die Bildungschancen erhöhen, den Anteil leistungsstarker Schülerinnen und Schüler vergrößern und den der leistungsschwächsten verringern. Sie stärkt MINT-Kompetenzen, unterstützt Schulen und Partner im Bildungsökosystem und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen im Bildungssystem ein.
Sandra Heidemann
Für mehr Informationen über die Deutsche Telekom Stiftung und das Projekt »Kreativität in der Bildung« kontaktieren Sie gerne Sandra Heidemann (Projektleiterin) per Mail oder telefonisch.
Nur rund 50 % der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass sie im Unterricht dazu ermutigt werden, originelle Ideen zu entwickeln – international liegt dieser Anteil bei ca. 64 %.
Im Gespräch mit Jacob Chammon
Vier Fragen an Jacob Chammon, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung
Herr Chammon, warum beschäftigt sich die Telekom-Stiftung mit dem Thema Kreativität?
Weil Kreativität aus unserer Sicht eine der wichtigsten Handlungskompetenzen für Kinder und Jugendliche ist, insbesondere mit Blick auf ihr späteres Berufsleben. ChatGPT hat uns vor Augen geführt, was mit künstlicher Intelligenz schon heute möglich ist. In absehbarer Zukunft werden uns intelligente Maschinen einen Großteil unserer beruflichen Aufgaben abnehmen. Das Einzige, was wir Menschen ihnen dann noch voraushaben werden, ist unser Erfindungsreichtum, unsere schöpferische Kraft. Sie ist quasi unser Alleinstellungsmerkmal, wenn es darum geht, Lösungen für schwierige Probleme zu finden. Zum Glück hat jeder Mensch Kreativität in sich. Man muss sie nur ein bisschen trainieren, damit sie zum Vorschein kommt.
Fördert unser Bildungssystem Kreativität ausreichend?
Leider nicht. In der Schule wird Kreativität hauptsächlich mit Fächern wie Musik oder Kunst assoziiert. Dabei sind wir überzeugt, dass sie genauso wichtig für die Bildung ist wie Lesen und Schreiben und dementsprechend auch in allen anderen Fächern geübt werden sollte. Am besten möglichst früh, denn Kinder haben noch keine Angst, etwas falsch zu machen. Sie probieren Dinge einfach aus, daraus entsteht oft etwas Originelles. Leider geht diese Fähigkeit mit zunehmendem Alter meist verloren, weil Fehler in der Schule oft stigmatisiert werden. So treiben wir den Kindern und Jugendlichen ihre Kreativität eher aus, als dass wir sie bewusst fördern.
Sie haben lange als Lehrer gearbeitet. Wie gelingt es, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine Atmosphäre zu schaffen, die kreative Prozesse begünstigt?
Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass sie sich in einem geschützten Raum befinden, in dem sie ihren Gedanken und Worten freien Lauf lassen können. Als Lehrkraft oder Lernbegleiter sollte man ihnen die Angst nehmen, dass sie sich blamieren oder dass sie ausgelacht werden könnten, wenn sie etwas Falsches sagen. Denn Angst hemmt jegliche Kreativität. Ohnehin gilt ja in kreativen Prozessen: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Häufig stellt sich eine Idee, die erst mal verrückt klingt, am Ende als die mit dem größten Potenzial heraus.
Zum Abschluss ganz kurz: Warum sollten Lehrkräfte und außerschulische Lernbegleiter die Toolbox Kreatives Lernen nutzen?
Weil sich Kinder und Jugendliche durch die Methoden und Werkzeuge in der Toolbox als selbstwirksam wahrnehmen. Und weil Kreationsprozesse einfach unheimlich viel Spaß machen.
Jacob Chammon
Kreativität und KI – neue Lernwege
Kreativität fördern und neue Lernwege entdecken
Auch die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz unterstreicht die Notwendigkeit, überfachliche Kompetenzen gezielter zu stärken: Sowohl kritisches als auch kreatives Denken sind wichtige Voraussetzungen, um die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz effektiv zu nutzen. Sie zu trainieren ist deshalb eine wichtige Aufgabe für die Schule. Im Video sprechen Prof. Dr. Sandra Aßmann sowie Lehrende und Schüler:innen des Küstengymnasiums Neustadt über Kreativität und KI.
Zahlen, Daten, Fakten
Warum kreatives Denken wichtig ist
- Die Vermittlung kreativer Kompetenzen in Unterricht und Schule ist von zentraler Bedeutung: Kreatives Denken rangiert unter den TOP 5, die Arbeitgeber weltweit als Core Skills für Beschäftigungsfähigkeit einstufen (World Economic Forum, Future of Skills Report 2025).
- Die OECD PISA-Studie 2022 hat zum ersten Mal kreatives Denken als eigenständige Kompetenz international gemessen – neben Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Kreatives Denken gilt dabei als Fähigkeit, flexibel neue Lösungen zu entwickeln und sich an Veränderungen anzupassen.
- Die PISA 2022-Sondererhebung „Creative Minds, Creative Schools“ zeigt zudem auf: Länder, die in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften überdurchschnittliche Leistungen erzielen, liegen auch beim kreativen Denken über dem OECD-Durchschnitt. Deutschland liegt laut PISA 2022 beim kreativen Denken international allerdings nur im Mittelfeld.
Toolbox Kreatives Lernen
Werkzeugkiste für Kreativität und Selbstwirksamkeit
Die von der Deutsche Telekom Stiftung entwickelte Toolbox beinhaltet Methoden, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, gezielt Probleme zu formulieren, kreativ Ideen zu entwickeln und schnell in die Umsetzung überzugehen. Alle vorgestellten Methoden sind auf den Schulalltag abgestimmt.
Kreativ Aufwärmen
In Cadavre Exquis erzählen die Schüler:innen gemeinsam eine verrückte Geschichte, die jeden Moment eine neue Wendung nehmen kann.
Tipp von Jacob Chammon: »Mir gefällt besonders die Aufwärmübung ›Cadavre Exquis‹, die mich an Improvisationstheater erinnert. Eine Person beginnt damit, eine Geschichte zu erzählen, zum Beispiel so: ›Eines Morgens ging ich auf die Straße und sah …‹ Und dann muss die nächste Person ganz spontan an diesen Satz anknüpfen und die Geschichte fortsetzen, und dann die nächste. Das geht so lange weiter, bis jeder einmal an der Reihe war oder die Geschichte zu Ende erzählt ist. Durch die Übung werden Hemmungen abgebaut, weil die Teilnehmenden merken, dass jede noch so abstruse Story-Fortsetzung okay ist, Hauptsache, man erzählt schnell weiter. Und sie fördert das aktive Zuhören.«
Moonshot EDU: Spiel dich kreativ
Moonshot EDU ist mehr als nur ein Brettspiel für junge Menschen. Es fördert Zukunftskompetenzen. Die Deutsche Telekom Stiftung hat das Spiel gemeinsam mit dem Spieleentwickler Playful Business und der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. Bei Moonshot EDU treten Einzelspielerinnen und -spieler oder Teams gegeneinander an, um verschiedene Herausforderungen zu meistern. Dabei gilt es, mit Hilfe unterschiedlicher Kreativitätsmethoden neue Ideen zu entwickeln und immer wieder die Perspektive zu wechseln.
Das Spiel kann kostenlos über die Website der Telekom-Stiftung bestellt werden.
Zum Weiterlesen
Toolbox
Deutsche Telekom Stiftung: Toolbox Kreatives Lernen. Bonn, 2023. Zur Toolbox.
Kostenlose Workshops
Die Telekom-Stiftung bildet Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal in Workshops zu Moonshot-EDU-Spielleiterinnen und -leitern fort. In den Veranstaltungen lernen die Teilnehmenden, wie sie das Spiel und andere Kreativitätstools in ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen integrieren können.
Die nächsten Workshoptermine finden Sie hier.
Weitere Angebote im Hybriden Lernraum
Hybrider Lernraum
Der Beitrag ist Teil des Hybriden Lernraums. Hier finden Sie für Ihre Arbeit in Schule oder an außerschulischen Lernorten Informationen und Praxistipps aus Wissenschaft und Praxis – als Texte, Methoden, Podcasts, Videos oder Workshops.
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